17. Oktober 2026
Warum Nichtstun nicht automatisch erholt

Freitagabend. Das Sofa, der Fernseher, das Handy in der Hand. Zwei Tage frei. Und trotzdem stehen Sie am Montag auf und fühlen sich, als hätten Sie gar kein Wochenende gehabt.
Das liegt nicht daran, dass Sie sich falsch ausruhen. Es liegt daran, dass Ruhe und Erholung nicht dasselbe sind. Ein Körper kann stillliegen, während der Kopf weiterarbeitet. Und solange er weiterarbeitet, bleibt auch der Körper in Alarmbereitschaft.
Die Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag hat gemeinsam mit Charlotte Fritz untersucht, was Erholung tatsächlich ausmacht. Sie beschreiben vier Erfahrungen, die dabei eine Rolle spielen:
Abschalten. Nicht nur körperlich weg sein, sondern auch gedanklich. Wer am Sonntag innerlich schon die Montagstermine durchgeht, ist nicht im Feierabend, sondern im Wartezimmer.
Entspannen. Dinge, die den Körper wirklich herunterfahren lassen: ein langsamer Spaziergang, ruhige Musik, ein warmes Bad. Nicht die zwanzigste Nachrichtenmeldung.
Etwas Neues meistern. Klingt paradox, wirkt aber: Ein neues Rezept, ein paar Akkorde auf der Gitarre, ein unbekannter Wanderweg. Kleine Herausforderungen außerhalb der Arbeit geben das Gefühl zurück, etwas zu können, und das erholt.
Selbst bestimmen. Freie Zeit ist erst dann erholsam, wenn Sie selbst entscheiden, was Sie damit tun.
Probieren Sie es an diesem Wochenende aus. Nicht alles auf einmal. Nehmen Sie sich eine der vier Erfahrungen vor, und achten Sie am Montagmorgen darauf, ob sich etwas anders anfühlt.
Und wenn es trotz allem nicht mehr gelingt, abzuschalten, ist das kein Versagen. Dann trägt Ihr Körper vermutlich schon länger mehr, als er in freien Stunden wieder ausgleichen kann. Im Kapitel „Regeneration – Die vergessene Kraft“ meines Buches Resilenzio beschreibe ich ausführlicher, wie Erholung wieder möglich wird. Und wenn Sie lieber darüber sprechen möchten: Ich bin da.
Quelle
Sonnentag S, Fritz C: The Recovery Experience Questionnaire: Development and validation of a measure for assessing recuperation and unwinding from work. Journal of Occupational Health Psychology 12 (3), 2007, S. 204–221.