October 2026
Wenn der Sonntag-Abend schon schwer wird
12/10/26 16:00
Vielleicht kennen Sie das:
Der Sonntag ist eigentlich frei, und doch beginnt am Nachmittag etwas zu kippen. Die Gedanken wandern zur kommenden Woche, zu Terminen, offenen Aufgaben und Gesprächen, vor denen Sie sich scheuen. Der Schlaf wird unruhig, und am Montagmorgen fühlen Sie sich erschöpft, bevor der Tag überhaupt begonnen hat.
Das ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Hinweis darauf, dass Ihr Körper und Ihre Psyche schon über längere Zeit mehr tragen, als sie in Ruhephasen wieder ausgleichen können. Erholung findet dann nicht mehr richtig statt, weil die Anspannung auch in freien Stunden bestehen bleibt.
Drei Fragen können helfen, die eigene Lage einzuschätzen:
- Gelingt es Ihnen am Wochenende noch, wirklich abzuschalten?
- Schlafen Sie in der Nacht zum Montag deutlich schlechter als sonst?
- Und: Hat sich dieses Gefühl in den letzten Wochen verstärkt?
Manchmal reicht das nicht mehr. Wenn die Belastung so groß geworden ist, dass Sie sich nicht mehr selbst aus ihr herausfinden, kann ein Gespräch von außen Klarheit schaffen. Genau dafür biete ich kurzfristige, persönliche Unterstützung an, ohne lange Wartezeit und ohne dass Sie erst „krank genug“ sein müssen.
Die Woche beginnt nicht erst am Montagmorgen. Sie beginnt in dem Moment, in dem Sie sich entscheiden, gut für sich zu sorgen.
Zum Weiterlesen
In meinem Buch Resilenzio beschreibe ich ausführlicher, wie Belastung entsteht, warum Erholung manchmal nicht mehr gelingt und wie Menschen Schritt für Schritt wieder zu mehr Stabilität finden.
Mehr zum Buch erfahren Sie hier!
Arztgespräch nach Diagnose: Warum man so wenig behält
05/10/26 08:23

Warum man im Arztgespräch nur die Hälfte versteht – und was dagegen hilft
Sie sitzen im Sprechzimmer. Die Ärztin erklärt den Befund, nennt Begriffe, Werte, mögliche Behandlungen. Sie nicken. Und eine halbe Stunde später, im Auto oder zu Hause am Küchentisch, merken Sie: Sie wissen kaum noch, was eigentlich gesagt wurde. Wenn Ihnen das passiert ist, sind Sie in guter Gesellschaft. Und es liegt nicht an Ihnen.
Das ist normal – und gut untersucht.
Die Forschung zeigt seit Langem, dass Patientinnen und Patienten einen großen Teil dessen, was ihnen im Arztgespräch gesagt wird, sofort wieder vergessen. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit beziffert diesen Anteil auf mindestens 40, oft sogar bis 80 Prozent.
Und von dem, was im Gedächtnis bleibt, ist ein erheblicher Teil ungenau.
Nach einer schweren Diagnose kommt noch etwas entscheidendes hinzu: der Schock. Starke Angst engt stets die Aufmerksamkeit ein. Das Gehirn bleibt an der Bedrohung hängen, manchmal an einem einzigen Wort, und für alles, was danach kommt, bleibt kaum Raum. Dazu kommen Fachbegriffe, viele Informationen auf einmal und oft wenig Zeit zum Sortieren der Fakten. Das hat ungünstige Folgen. Dass Sie nur so wenig mitnehmen und Ihre Erinnerungen so lückenhaft sind, ist also keine Schwäche. Es ist eine normale Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation.
Fünf Dinge, die beim nächsten Gespräch helfen
- Fragen vorher aufschreiben. Notieren Sie alles, was Ihnen durch den Kopf geht, auch wenn es banal erscheint. Im Gespräch gehen Sie die Liste der Reihe nach durch. Wichtige Fragen sind etwa: Was genau wurde festgestellt? Welche Untersuchungen folgen? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie viel Zeit habe ich für eine Entscheidung?
- Nicht allein hingehen. Eine vertraute Person hört anders zu als Sie selbst. Sie kann mitschreiben, nachfragen und hinterher mit Ihnen gemeinsam zusammentragen, was gesagt wurde.
- Notizen machen oder machen lassen. Fragen Sie, ob Sie mitschreiben dürfen, und ob es schriftliche Informationen zum Befund gibt.
- Nachfragen, wenn etwas unklar ist. „Können Sie das bitte noch einmal einfacher erklären?“ ist eine völlig berechtigte Frage und Bitte. Sie wollen schließlich verstehen, worüber Sie entscheiden.
- Um eine Zusammenfassung bitten. Am Ende des Gesprächs: „Können Sie mir die nächsten Schritte noch einmal kurz zusammenfassen?“ Das ordnet die Informationen und gibt Ihnen etwas Greifbares mit nach Hause.
Nach einer Diagnose entsteht oft das Gefühl, sofort handeln zu müssen. Häufig gibt es aber mehr Zeit, als es sich in diesem Moment anfühlt. Fragen Sie konkret nach: Was ist zeitkritisch, und wo kann ich mir Bedenkzeit nehmen? Ob und wie schnell medizinisch gehandelt werden muss, klären Sie mit dem behandelnden Team. Alles andere darf in Ruhe geordnet werden. Letztlich sind einzig und allein Sie verantwortlich für Ihr Leben. Nehmen Sie diese Verantwortung wahr.
Wenn Ihnen dann alles über den Kopf wächst
Eine Diagnose betrifft selten nur die Medizin. Familie, Arbeit, Geld, Schlaf: Plötzlich steht vieles gleichzeitig im Raum. Wenn Sie nun merken, dass Ihnen die Lage entgleitet, hilft oft ein Gespräch mit jemandem, der professionell von außen auf das Ganze schaut und der auch etwas von der Thematik versteht.
Auf der Seite „Schwere Diagnose – was jetzt?“ finden Sie sechs erste Schritte, die Ordnung schaffen. Und wenn Sie möchten, sprechen wir persönlich: Gemeinsam sortieren wir, was jetzt dran ist und was warten darf. Sprechen Sie mich bei Bedarf gerne an.
Quelle:
Kessels RPC.: Patients’ memory for medical information.
Journal of the Royal Society of Medicine 2003; 96(5): 219–222.
Die wichtigsten Gedanken dieses Beitrags gibt es auch als kurzes Video: auf YouTube ansehen